hello, my name is... B I A N C A

29 November 2015

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Hallo! Gleich werdet ihr nochmals begrüsst, und zwar von einer ganz besonderen Person - von Bianca! Bianca ist die erste Bloggerin und Person, die sich im Rahmen meiner Reihe 'Hello' vorstellt, und ich bin wahnsinnig glücklich, dass sie das ist, denn ihr Beitrag wurde wunderschön und sie ist super sympathisch! Davon könnt ihr euch aber gleich selbst überzeugen, denn ich verabschiede mich für heute und melde mich schon bald wieder - mit meinem November, denn gleich bricht der letzte Monat schon an... Viel Spass!

Hello, my name is… Bianca von Bee’s Book Blog :D

Als treue Leserin von Maras wunderschönem Blog wurde ich vor einiger Zeit auf ihre Ankündigung aufmerksam, dass sie bald eine neue Rubrik starten wollte. In dieser suchte sie nach jüngeren Bloggern mit einer noch kleinen, überschaubaren Leserschaft, die Lust hätten, sich und ihren Blog bei Mara vorzustellen. Eine tolle Gelegenheit, ein paar andere Blogger kennenzulernen und dabei auch zu erfahren, wie diese so ticken und was für sie - außer dem Lesen natürlich - sonst noch so zum Leben dazugehört. Deswegen wagte ich einen Versuch, schrieb Mara eine kleine E-Mail und fragte sie, ob sie Lust hätte, mich als eine der Blogger in ihrer Rubrik aufzunehmen.
Ich gebe zu, dass ich mir eigentlich keine allzu großen Chancen ausrechnete, da ich erst Anfang dieses Jahres mit dem Bloggen angefangen habe, doch zu meiner Überraschung erhielt ich einige Zeit später tatsächlich eine sehr liebe Rückmeldung von Mara, die mich bat, eine kleine Bloggervorstellung zu verfassen. Ich habe mich natürlich sehr gefreut und auch unheimlich geehrt gefühlt. 
Deswegen lest ihr nun diese Zeilen von mir, in denen ich euch meinen Blog und auch mich selbst ein bisschen genauer vorstellen möchte. Anschließend folgen noch dreizehn Fragen, die Mara mir gestellt hat und die ich sehr gern und oft auch mit einem Schmunzeln beantwortet habe. Ich würde mich sehr freuen, auf diesem Wege Gleichgesinnte zu treffen, die einen ähnlichen Lesegeschmack haben oder vielleicht sogar einen ganz anderen - die Abwechslung macht es schließlich erst interessant :)

      

So, das war die kleine Vorgeschichte, kommen wir nun zum eigentlichen Thema.
Im richtigen Leben heiße ich Bianca, bin eine Leseratte durch und durch und studiere in Leipzig. Ich habe schon immer in Sachsen gewohnt, aber Leipzig ist die erste Stadt, in der ich mich richtig wohl fühle und sogar am ehesten mit dem Wort „Heimat“ verbinde. Das liegt vermutlich nicht zuletzt an meinem Freund, mit dem ich seit fast fünf Jahren zusammenwohne und der auch oft das Opfer meiner Leselaunen wird („Wo kommt denn dieses Buch hier schon wieder her? Überall in der Wohnung sind Bücher versteckt!“ Hihi, so bin ich eben ^^).
Obwohl ich mir durchaus vorstellen kann, den Rest meines Lebens in Leipzig zu verbringen, gibt es seit ungefähr einem Jahr ich einen zweiten Ort auf der Welt, der in mir fast das gleiche Gefühl der Heimatverbundenheit auslöst: Die Hafenstadt Cherbourg im Nordwesten von Frankreich, der Normandie. Dort habe ich im Rahmen meines Studiums für ein halbes Jahr gelebt und gearbeitet und seitdem hat mich diese Stadt und auch das Land nicht mehr losgelassen. Ich bin kein klassischer Sommertyp, sondern eher ein ruhiger Herbsttyp, deswegen waren das raue Klima, die Bodenständigkeit der Bewohner, die niedlichen kleinen Dörfer und märchenhaften Wälder, die malerischen Küsten und die vielen alten Schlösser in der Umgebung genau das Richtige für mich. Ich habe dort wundervolle sechs Monate verbracht, bin ständig herumgefahren, habe mir Städte, Dörfer, Wälder, Strände, Museen, Ausstellungen und sogar Höhlen angeschaut, viele tolle Menschen getroffen und zu guter Letzt habe ich dort auch angefangen, meinen Buchblog zu schreiben :)
Das hing damit zusammen, dass sich aufgrund meiner Arbeit nur am Wochenende die Zeit hatte, um mit dem Auto oder dem Zug durch das Land zu fahren und ich die freien Nachmittag oft mit einem schönen Buch in der Hand verbracht habe. Damals habe ich das erste Mal angefangen, nicht nur nach dem Bauchgefühl heraus Bücher zu kaufen, sondern mich auf sozialen Medien über aktuelle Neuerscheinungen zu informieren - in meinem Fall war es Instagram. Da viele Leute dort nicht auf Instagram, sondern auch in der Bloggerwelt vertreten sind, begann ich, hin und wieder in Blogs zu stöbern, bis ich mir die Frage stellte, warum ich nicht selbst mit dem Buchbloggen beginnen wollte. Einen Reiseblog für meine Zeit in Frankreich hatte ich schon, doch neben dem Reisen sind schließlich Bücher meines große Leidenschaft und ich stellte es mir interessant vor, meine Erfahrungen mit anderen zu teilen und mich mit anderen begeisterten Lesern auszutauschen. Das war schließlich die Geburtsstunde von Bee’s Book Blog :D Gleichzeitig war dies der erste Namen, der mir für den Blog einfiel und weil er einfach am besten zu mir passt, ist es auch bei diesem Namen geblieben (seit Jahren ist „Bee“ mein Spitzname).
Damals wie heute war es beim Buchbloggen mein Ziel, nicht nur die klassischen Neuerscheinungen und Beststeller, sondern auch andere, vielleicht weniger bekannte Bücher oder sogar Klassiker vorzustellen, die mich beim Lesen begeistern konnten. Ich bin eine ausgemachte Skeptikerin, was Bücher-Hypes betrifft und wage mich eher an Bücher heran, die nicht so bekannt sind. Die wenige Freizeit neben meinem Studium ist mir leider viel zu kostbar, um sie mit Büchern zu verbringen, die eigentlich gar nicht meinen Vorlieben zu entsprechen und sie nur zu lesen, weil sie irgendwie gerade alle lesen. Das spricht beispielsweise auch für Maras Blog - sie hat mich schon mehr als einmal auf kleine Schmuckstücke in der Bücherwelt aufmerksam gemacht, die  bisher nur wenige andere Blogger ebenfalls gelesen und rezensiert hatten.
Da ich neben meinem Studium noch zwei Nebenjobs habe - einen am Flughafen und einen an einer Sprachschule - fehlt mir leider oft die Zeit für Aktionen, Tags, Rückblicke und Statistiken. Das meiste davon verkörpert auch nicht das, was ich mit meinem Blog ausdrücken möchte. Ich mag lange, ausgiebige Rezensionen, die auch zum Nachdenken anregen, lustige Buchbeschreibungen oder einfach kurze Einblicke in meinen Alltag. Wenn ich einen Beitrag schreibe, dann bin ich mit dem Herzen dabei und sitze gut und gerne mal bis zu drei Stunden daran, bis alles perfekt ist und ich zufrieden bin. Ich blättere mich zwar auch hin und wieder gern durch ungewöhnliche Tags und tolle Aktionen oder verfolge, wie viel einige Leser innerhalb eines Monats gelesen haben, aber ich finde, das sollte nicht den Charakter eines Buchblogs ausmachen. Deswegen sind solche Sachen bei mir eher hintergründig vertreten. In erster Linie geht es um das, was mir in meiner Freizeit viel Freude bereitet: Das Lesen eines Buches. Darüber schreibe und blogge ich, das ist genau das, was das Bloggen für mich zu einer wunderbaren und einzigartigen Erfahrung macht, die ich unglaublich gerne mit anderen teile.

   

Mit diesen Worte schließe ich nun meine Vorstellung und hoffe, euch hat der Einblick in mein (Blogger-)Leben gefallen. Und falls ihr nach diesem etwas längeren Text über mich neugierig seid, welche Fragen Mara mir noch erstellt hat, geht es nun zum zweiten Teil der Bloggervorstellung.


1. Welcher Satz beschreibt dich am besten?

„Einen Prinzen brauch’ ich nicht, aber die Pferde könnt ihr da lassen!“

Dieser Satz fasst einfach am besten und prägnantesten meinen Charakter und meine Einstellung zusammen. Ich bin verträumt und tauche gern in meine Bücherwelten ab, wo ich gern mal Prinzessin sein kann und kurzzeitig den Rest der Welt hinter mir lassen kann. Gleichzeitig bin ich auch Realistin und weiß, dass mir ein schnöseliger, eingebildeter Prinz auf Dauer einfach zu langweilig sein würde. Zum Glück habe ich in meinem Freund jemanden gefunden, der genauso verrückt ist wie ich und gleichzeitig auch meine Art von Humor teilt. Und wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich eher für das Pferd als für den Prinzen entscheiden, weil Tiere generell einfach ein wichtiger Teil meines Lebens sind. Seit Jahren plane ich schon, mir einen Hund zu holen, aber bisher hat es leider noch nicht in meine Lebensplanung gepasst.


2. Welches Buch hat dein 15. Lebensjahr geprägt, und welches hat dein [...] (darfst du dir frei aussuchen!) Lebensjahr geprägt?

Ich habe in meiner Jugend sehr viel gelesen, deswegen ist es schwer, von all den tollen Büchern nur eines herauszufiltern. Spontan würde ich aber sagen, dass es der Roman „Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walter Moers war. Ich habe schon vorher sehr gern gelesen, aber nach dem Lesen dieses Buches wurde mir erstmals bewusst, dass das lesen mit etwas verbunden ist, dass ich fast schon als „Zauber“ bezeichnen würde. Es ist nicht wie beim Fernsehen, wo man die Bilder vorgesetzt bekommt, sondern die Bilder entstehen im Kopf und zwar immer wieder neu. Deswegen habe ich diesen Roman auch regelrecht verschlungen und dann auch mehrfach neu gelesen, weil ich mich einfach nicht daran „sattlesen“ konnte.


Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, also an mein 12. und 13. Lebensjahr, kann ich mich leider nicht nur auf ein Buch beschränken, sondern muss gleich zwei ganze Serien nennen, die mich während meiner gesamten Kindheit und Jugend begleitet haben: Das ist zum Einen (wie überraschend) „Harry Potter“ und zum Anderen die Emily-Trilogie.
Ich bin mit Harry Potter aufgewachsen, habe jeden einzelnen Band geliebt und fand es furchtbar, immer ein Jahr warten zu müssen, bis der nächste Band erschien. Auch mein heutiger Schreibstil wurde viel durch Joanne K. Rowling geprägt, deswegen ist diese Serie auf meiner „Leselaufbahn“ einfach nicht mehr wegzudenken ;-)
Die zweite Serie von Emily wird vielleicht dann etwas bekannter, wenn ich hinzufüge, dass sie von Lucy Maud Montgomery geschrieben wurde. Das ist genau jene Autorin, die die bekannte Kinderbuchreihe von „Anne auf Green Gables“ verfasst hat. Die Geschichte von dem kleinen Waisenmädchen Anne, die man als Leser in mehreren Bänden begleitet, ist einfach wunderschön und herzerwärmend, aber ich bin erst durch die Serie von Emily auf die Autorin aufmerksam geworden. Emily war mir früher sehr ähnlich, weil sie auch so gern geschrieben hat, ihre seltsamen Launen hatte und sich oft einsam fühlte. Deswegen habe ich auch diese Serie sehr, sehr oft gelesen und sie wurde zu einem wichtigen Teil meiner Kindheit.


3. Wo kommen dir die besten Ideen?

Neben dem Bloggen schreibe ich auch selbst gerade an einer längeren Geschichte, die mir persönlich sehr am Herzen liegt. Deswegen bin ich auch immer auf der Suche nach neuen Inspirationen :)
Diese suche ich mir am liebsten in der freien Natur, sei es ganz profan auf dem Weg zur Uni oder auf langen Spaziergängen durch den Park oder den Wald. Es kam schon häufiger vor, dass ich meinen Heimweg etwas verlängert habe, weil mir eine tolle Idee im Kopf herumschwirrte, die noch etwas ausgearbeitet werden musste. Zu diesem Zweck ist ein kleiner Notizblock mein ständiger Begleiter.


Meine zweite, etwas weniger angenehme Inspirationsquelle, ist mein Bett. Meistens mitten in der Nacht. Ich wache auf und mir fällt irgendwas total Wichtiges ein - zum Beispiel, dass ich mich noch für ein bestimmtes Modul an der Uni anmelden muss, Manchmal kommen mir aber auch einfach schöne Ideen für geplante Geschichten, die ich dann beim Einschlafen weiter ausbaue.


4. Was konterst du, wenn dir jemand kommt "Lesen ist doof und nur was für Langweiler“?

„Danke, dass du mir deine Meinung mitteilst. Zeigst du mir jetzt bitte noch die Höhle, in der die wohnst?“

Zum Glück ist mir bisher noch nie solch ein sonderbarer Mensch begegnet. Ich kenne zwar ein paar Leute, die sich nichts aus Lesen machen, aber niemand hat bisher in meiner Gegenwart andere Menschen, die gerne lesen (und damit auch mich) als Langweiler bezeichnet. Wenn ich so jemanden treffen würde, wäre es für mich sehr schwer, diese Meinung ernst zu nehmen. Für mich sind Lesen - Schreiben - Sprechen untrennbar miteinander verbunden. Ich mag sogar die Philosophie, dass unsere Wirklichkeit erst durch Sprache gebildet wird. Und unsere Geschichte zeigt, wie wichtig das schriftliche Fixieren von Gedanken für die Entwicklung menschlicher Gesellschaften sind. Wenn es Bücher nicht gäbe, egal in welcher Form, würden wir wahrscheinlich immer noch in Höhlen oder auf Bäumen leben. Und mit einem Höhlenmenschen darüber zu diskutieren, wie viel mehr das Lesen bedeutet, stelle ich mir sehr mühsam vor.


5. Welches Wort lässt du dir am liebsten auf der Zunge zergehen?

Aus der deutschen Sprache fällt mir da spontan das Wort „Morgenstern“ ein, ein Begriff, den ich sehr mag und der sich schön betonen lässt. Im Französischen habe ich auch eine Lieblings-Redewendung, die ich gerne verwende, weil sie so lustig klingt: „C’est nickel!“ (deutsch: „Das ist super / klasse“). Und dann ist da natürlich noch der Klassiker aus einer Episode der Fernsehserie Friends, den Phoebe mal erwähnt hat: „Bahama Mama“. Dieser Cocktailnamen zergeht mir jedes mal auf der Zunge (Zählt das, auch wenn ich es sagen kann, ohne dabei meine Zunge benutzen zu müssen?) :P


6. Worüber machst du dir komische Gedanken?

Da gibt es mehrere Dinge. Ich wache zum Beispiel nachts auf und rechne mir aus, wie viele Stunden ich noch schlafen kann. Oder ich überlege, was ein anderes Ich in einen der vielen Paralleluniversen gerade macht. Manchmal führe ich auch in Gedanken Gespräche mit meinem jüngeren Ich und versuche, dem kleinen Mädchen zu sagen, was später passieren wird. Ich stelle mir Gespräche mit Freunden und Verwandten vor und überlege, wie sie reagieren würden. Ich denke darüber nach, wie ich reagieren würde, wenn an der Uni plötzlich ein Feuer ausbricht und ich einen Fluchtweg suchen müsste. Ich denke mir einen Film zu einem Lied aus. Ich frage mich, was das Universum zusammenhält. Ich versuche, mir den Himmel vorzustellen. Ich versuche mir vorzustellen, wie sich Wolken wohl anfühlen. Ich denke darüber nach, wie mein perfekter Vergnügungspark aussehen würde.
Das ist nur eine kleine Auswahl ;-)


7. Welche Süssigkeit hilft dir durch den Alltag?

Ertappt, ich esse wirklich sehr gerne Süßigkeiten, am liebsten Schokolade und Erdbeeren (falls diese auch zu Süßigkeiten zählen, für mich irgendwie schon). Was mir jedoch wirklich durch den Alltag hilft, sind weniger „materielle“, sondern vielmehr persönliche und ganz besondere Süßigkeiten in Form von kleinen Glücksmomenten. Obwohl ich eine Tagträumerin bin, versuche ich immer, meine Umgebung ganz bewusst wahrzunehmen und mich über die Kleinigkeiten zu freuen. Der Duft nach einem Regenschauer. Das Gefühl von Gras auf den nackten Füßen.


Das Rascheln von frischem Herbstlaub. Ein paar Spatzen, die sich im Staub putzen. Das Farbenspiel der Wolken kurz vor Sonnenuntergang. Spontane Umarmungen von lieben Freunden. Genau das sind meine liebsten „Süßigkeiten“, die mir durch einen stressigen Tag helfen.


8. Wie siehst du meistens aus, wenn du das Haus verlässt?

Meistens gegenteilig hierzu:

Ich stehe gern früh auf, um den Tag zu genießen, aber ich brauche trotzdem meine Morgenroutine, um munter zu werden. Wenn ich dann das Haus verlasse und zur Uni gehe, habe ich meine Haare meistens zu einem Zopf gebunden und trage nur wenig Make-up. Ich mag es gemütlich, aber nicht zu leger, sonst fühle ich mich nicht wohl. Außerdem trage ich ausschließlich Röcke, auch im Winter. Dann noch die Handtasche mit einem schönen Buch, das ich in der Bahn lesen kann und der Tag kann beginnen :)


9. Worüber nervst du dich oft im Alltag?

Eigentlich relativ wenig, weil ich gern vor mich hinträume und ich deswegen nervige Dinge und Menschen manchmal gar nicht bemerke. Ganz allgemein nervt mich aber Folgendes:

Grundlose Unfreundlichkeit
Radfahrer, die die halbe Straße für sich einnehmen
Meine launischen Haare, die am Morgen plötzlich sehr unvorteilhaft liegen können


Jugendliche, die in der Bahn ihre blöde Musik auf höchster Lautstärke hören müssen
Lange Wartezeiten beim Arzt - und ich habe ein Buch zum Lesen vergessen!
Dass ich im Sommer IMMER zuerst einen Sonnenbrand bekomme, auch wenn ich mich  stündlich mit einem Liter Sonnenmilch einschmiere
Ständig wiederkehrenden Staub an immer denselben Stellen
Knickfalten in Büchern
Meine Handschrift, die auch ein Eigenleben zu führen scheint (siehe meine Haare)
Die Schicht, die sich auf Vanillepudding bildet und die einfach nur eklig ist
Unpünktlichkeit
Meine Nervosität bei Vorträgen und Referaten
Ampeln, deren Grünphasen nur drei Sekunden dauern
Spoiler über meine Lieblingsserien (Ich will gar nicht wissen, wer bei „The Walking Dead“ als Nächstes stirbt!)
Schweiß
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10. Dein Lieblingsgesichtsausdruck (an dir / an anderen Menschen / an einer spezifischen Person)?

Haha, davon gibt es mehrere und die meisten davon bringen mich zum Lachen. Mal überlegen … An mir mag ich besonders den Gesichtsausdruck, der ein Lächeln andeutet, kurz bevor dieses meine Augen erreicht. Ich mag es gar nicht, wenn Menschen nur mit dem Mund lachen, aber die Augen dabei leer und ausdruckslos bleiben. Bei meinem Freund wiederum mag ich den skeptischen Ausdruck, wenn er die rechte Augenbraue hochzieht und mich dabei fragend anschaut. Und dann gibt es noch unseren Nymphensittich Sam und ob ihr es glaubt oder nicht, dieses Vögelchen hat die lustigsten Gesichtsausdrücke drauf, die ich kenne.


 Am meisten mag ich ihren Blick auf den leeren Futternapf, kurz bevor ich ihn abends auffülle. Dann schaut sie kurz hinein, schaut dann auf und guckt mich an, als wollte sie fragen: „Was jetzt? Willst du mich verhungern lassen oder was?


11. Was für ein Projekt wolltest du schon immer durchziehen, hattest aber bisher noch nicht genügend Disziplin für?

Mein vermutlich größtes unvollendetes Projekt befindet sich, auf mehrere Ordner und Dateien verteilt, auf meinem Laptop. Mir fallen ständig neue Sachen für spannende Geschichten ein, aber nur die wenigstens davon konnte ich bisher auch beenden. An meiner derzeitigen Geschichte habe ich mich aber erstmal „festgebissen“, weil ich darin irgendwie mehr sehe als in meinen Geschichten davor. Die Figuren haben in meinem Kopf schon ein skurriles Eigenleben entwickelt und ich freue mich schon sehr darauf, es endlich auf Papier zu bringen. Leider fehlt mir im Moment wegen meines Studiums dafür die Zeit.


Mein anderes Projekt ist das regelmäßige Joggen. Als ich für ein halbes Jahr in Frankreich gelebt habe und einen wunderschönen Strand direkt vor der Haustür hatte - Ja, da war es nicht so schwer, mich morgens aufzuraffen und laufen zu gehen. Zurück in der Heimat habe ich zwar auch einen schönen park direkt vor der Haustür, aber mir fehlt einfach die Motivation. Ich wollte irgendwann mal einen Halbmarathon mitlaufen. Das letzte Mal, als ich im Park war, habe ich sieben Kilometer geschafft. Es ist also noch ein langer Weg…



12. Auf welche Frage, die ich dir gestellt habe oder nicht, hast du gehofft und vor welcher hast du dich gefürchtet, warum?

Grundsätzlich haben mir die Fragen sehr gut gefallen. Sie waren zum Teil ungewöhnlich, lustig schienen nur darauf gewartet zu haben, von mir beantwortet zu werden. Ich hatte mich eher vor sehr platten Fragen gefürchtet à la: Was ist dein Lieblingsbuch? / Welche drei Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen? / Was ist dein Lieblingsessen? / etc. Das sind nicht die Fragen, mit denen man Menschen kennen lernt, sondern es sind so schöne Fragen wie diese, auf die ich antworten durfte.
Besonders gehofft hatte ich hingegen auf eine Frage, die mich nach meinen früheren Lieblingsbüchern fragt und diesen Gefallen hat mir die liebe Mara ja gemacht :)


Findet Bianca online und lest mehr von ihr: www.beesbuecherleben.blogspot.de

Ich freue mich sehr, dass sie bei dieser ersten Runde dabei war und uns so viel Spannendes von ihr und ihrem Leben erzählt hat! Ich habe ihre Blogvorstellung mehrmals durchgelesen und jedes Mal zauberte sie ein Lächeln auf mein Gesicht - danke dafür Bianca! Wenn Du das auch kannst und möchtest, schreibe mir eine kleine kurze Mail, warum ich dich vorstellen soll, was und warum du gerne liest und ein paar wenige Sätze zu anderen Favoriten und deinem Leben, und dann treten wir in Kontakt und du bist vielleicht schon bald hier zu sehen. Ich wünsche euch allen noch ein wunderschönes Wochenende, ganz viele liebe Grüsse auch von Bianca! Mara

leselaunen 2

27 November 2015

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A K T U E L L E S   B U C H


Ich habe erst kurz bevor ich diesen Beitrag nun schreibe, zu einem neuen Buch gegriffen, und zwar ist das 'Bitte freimachen' von Katrin Rönicke. Gestern besuchte ich eine Buchhandlung mit einer grossen Abteilung zu Büchern über Feminismus, und da schon ganz bald auf meinem Blog etwas zum Thema kommen wird, habe ich mich umgeschaut und konnte an diesem neuen Exemplar aus dem Metrolit Verlag, der mich mit besonderen Büchern und Ausgaben immer ganz besonders anspricht, nicht vorbeigehen. Es beginnt mit der Geschichte von Katrin Rönicke, wie sie in ihrer Jugend vom medialen Schönheitsbild der schlanken, übergeschminkten und keineswegs natürlichen Frau geprägt wurde und sich  dann Schritt für Schritt davon loslösen musste, nachdem sie aus eben genanntem Grund schon fast Opfer von Magersucht wurde. Bisher ganz gut, aber ich bin gespannt, was sie nun allgemein zum Thema Feminismus und Emanzipation zu sagen hat... 

M O M E N T A N E   L E S E S T I M M U N G

Ich wollte gerade beginnen: 'Momentan sieht es mit Lesen bei mir so aus...'. Ich glaube, ich muss mich daran gewöhnen, euch nun öfters auf eine solch direkt Weise über mein Lesen berichten. Über das Wochenende habe ich zwei besondere und gute Bücher gelesen, welche mich direkt in eine Lesehochphase gestürzt haben. Liebe ich! Tatsächlich schreibe ich diesen Post immer am Mittwoch (sofern man von einer 'Routine' sprechen kann, wenn das erst mein zweiter Beitrag dieser Art ist), und veröffentliche ihn donnerstags (ist jedenfalls der Plan!). Und meistens trage ich mein Buch vom Wochenende noch bis zum Dienstag in die neue Woche und habe am Mittwoch prompt lesetechnisch nichts Neues zu verkünden. Ich hoffe aber, dass ich im Laufe des Abends noch zu einem Buch greifen werden, welches mich bestenfalls wieder packen und faszinieren wird! Falls ihr also oben etwas über ein neues Buch lesen könnt, seit versichert, dass das erst danach hinzu kam. 

Z I T A T   D E R   W O C H E 

Wir sind gefangen in Bildern, Erwartungen und kulturellen Normen. Überall wird festgelegt, was richtig, schön oder kultiviert ist und was nicht.  Dabei gibt es so viele, buntere Wege, die Frauen und Männer in ihrem Leben einschlagen können. 

- Katrin Rönicke, 'Bitte freimachen'

U N D   S O N S T   S O

Ich muss mich gerade sehr mit dem Stress in der Schule auseinandersetzen, der aus Projekten hier und da besteht und mich ganz schön auf Trab hält. Überall gibt es was zu Erledigen und zu tun, auch dort, wo man es gar nicht erwartet, deswegen muss ich immer mehr Zeit für mich rausgreifen, die ich eigentlich gar nicht habe. Ihr merkt mir an, dass ich vielleicht ein bisschen schulmüde bin, aber wer kann es mir und wohl so allen anderen Schülerinnen und Schüler da draussen denn auch verdenken, wenn es so viel zu tun und zu lassen gibt, wenn wir einfach Zeit für uns brauchen, die wir nicht haben...?

bücherregale #2

25 November 2015

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Ich freue mich sehr, mehr oder weniger pünktlich mit der Reihe 'Bücherregale' fortzufahren und euch einen weiteren Teil zu präsentieren. Ich habe wieder unterschiedliche Bilder gefunden, welche mir gefallen. Traumbuchregale von mir oder euch - ich bin gespannt, was ihr zu diesen Aufbewahrungen für unsere Lieblinge sagt und was ihr euch vorstellt. Habt einen schönen Tag!

dastraumregal



Wenn ihr es noch nicht wisst, dann wird es höchste Zeit. Und zwar gibt es genau zwei Kriterien für meine zukünftige Wohnung (okay, das stimmt nicht. Ich muss zugeben, ich bin total pingelig und werde wohl nicht schnell zufrieden sein und alles selber in die Hand nehmen, verändern... Ich bin total vernarrt in Interiordesign und eine meiner absoluten Lieblingsbeschäftigungen ist es, auf Pinterest Moodboards zu allen möglichen Räumen für mein zukünftiges Appartment zu erstellen... Was natürlich auch mit der Grund ist, weshalb ich monatlich diese Art von Beitrag mache!) - ein tolles Bücherregal und eine tolle Badewanne. Wenn man beides kombiniert... Dann wird ein Traum war, von mir, definitiv. Wie sieht das bei euch aus, verbringt ihr auch Stunden in der Badewanne und mit einem Buch in der Hand...?

+ Badewanne (modern)
+ viel Holz (Weiss und Schwarz ansonsten)
+ schlichter, geradliniger Schnitt der Möbel
+ grosses Fenster

daseckregal

CORNER SHELVING SYSTEM 

Vielleicht magt ihr euch noch erinnern, dass Eckregale nicht so wirklich mein Ding ist. Aber ihr alle liebt diese, habt ihr mir geschrieben, deswegen habe ich wirklich nach denen Ausschau gehalten. Ich mag dieses Regal eigentlich auch ganz gerne, es ist nicht zu vollgestopft und die Dynamik stimmt mit den teilweise gestapelten Büchern und den verschiedenen Positionen. Auch gefällt mir hier das Farbspiel... Nach Grösse und Farbe wurde es sortiert, aber nicht allzu ordentlich, eher ein bisschen 'schlampig'. Dadurch aber auch wieder sehr locker und genau das ist, was mir gefällt! Übrigens ist dieses Bücherregal selbstgemacht, ein DIY, deswegen wohl günstig und auch cool, wenn man das Bücherregal ganz alleine erstellt hat!
+ farblich und nach Grösse sortiert, trotzdem locker
+ schönes Holz
+ DIY! (günstig)
+ Dynamik, mal gestapelt, mal gestellt

dasschwarzweissregal


Dieses Bücherregal... Mich fasziniert das Zimmer, das grosse, weisse Bett, die weisse, etwas alte Tür und auch die Stuckverzierung an der Decke, die dezent und schlicht, aber dennoch schön gehlten wurde. Die Lampe ist mir ein bisschen zu gross geraten. Aber was mir gefällt, ist der weisse Boden, der spricht ich total an. Und das Bücherregal, hinten! Durchsetzt mit persönlichen, nicht zu kitschigen Accesoires und Andenken, hauptsächlich schwarze Bücher, die einen direkten Kontrast zum vielen Weiss der Grundeinrichtung bilden. Auch Kunst wird ausgestellt... Sehr schön! Was mir auch gefällt, ist, dass der Boden als unterstes Regalbrett genutzt wird, das bringt ein schönes Spiel in das Bücherregal... Und die verschiedenen Höhen gefallen mir auch sehr!

+ weisser Boden
+ weisses Bett
+ Buchregal durchsetzt mit Drucken, Accessoires etc.
+ Boden = 1. Regalbrett

daseinfacheregal






Dieses Bücherregal fühlt sich so natürlich an - ich könnte es mir in jedem Zimmer vorstellen! Das Regal fasst viele Bücher und andere schöne und persönliche Gegenstände und wirkt doch luftig und hell. Auch die Art des Regals, diese einfachen Balken und kein schweres Raster, gefällt mir super und trägt dazu bei, dass es so leicht wirkt. Ich mag auch die weitere Einrichtung, die LEselampe und das Couchbett, auf dem man einfach liegen und das Lesen geniessen kann. Die gestapelten Magazine unten sehen auch super aus und gefallen mir, ebenfalls der kleine süsse Plattenspieler! 
+ umfasst viele Bücher und bietet viel Platz für Weiteres
+ wirkt natürlich und nicht wie eine totale Wunschvorstellung
+ ausserdem: Schallplatten und Magazine!
+ hell, locker, leicht

dashölzerneregal



Eine weitere Wunschvorstellung: Eine eigene kleine Bibliothek! Ich liebe dieses Foto und diesen Raum. Die Bücherregale sind so hell und das Fenster tut sein Übriges. Die Bücher sind aufgestellt oder ausgestellt - sind definitiv in den Fokus gerückt -  und kommen total zur Geltung. Ich würde liebend gerne in diesem Raum lesen. Ihr nicht auch?
+ weiss und hölzern - hell und luftig!
+ Bücher ausgestellt
+ viel Platz
+ ... (mir fehlen die Worte)

Welches Regal würdet ihr am liebsten haben?
Welches ähnelt deinem am meisten?

Mara

Ein ganz besonderes Jahr von Thomas Montasser

22 November 2015

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Eine kleine Buchhandlung. Eine riesige Aufgabe. Und ein geheimnisvolle Buch, das alles verändert...
Als die Betriebswirtin Valerie die etwas aus der Zeit gefallene Buchhandlung ihrer spurlos verschwundenen Tante betritt, gedenkt sie möglichst rasch Ordnung in das Chaos zu bringen und den Laden aufzulösen. Doch  sie hat die Macht der Bücher und die Magie der kleinen Buchhandlung mit dem Samowar unterschätzt. Denn plötzlich erlebt sie jeden Tag eine neue Überraschung, Welten tun sich auf. Eines Tages stösst sie auf ein merkwürdiges Buch, das nicht zu Ende geschrieben ist und das Valerie für einen Fehldruck hält, Dann betritt ein Kunde ihre Buchhandlung, der genau dieses Buch schon lange sucht... 

Verlag: Thiele Verlag • Seiten: 200 Seiten • Fassung: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag • Preis: ca. 16 Euro [D]

"Hätte jemand durch das Fenster geblickt, er hätte kaum mehr gesehen als den gebeugten Rücken einer mit grosser Sorgfalt gekleideten älteren Dame, deren schneeweisser, etwas wirrer Dutt über der Kasse schwebte, von einer müden Deckenlampe in ein gnädiges Licht gehüllt."

So begann das Buch, so ging es weiter, so war es die ganze Zeit über. In den Vordergrund trat der mir etwas fremde Schreibstil, den ich zuerst als gespickt mit unwichtigen Details empfand, welche nicht bevorzugterweise die Atmosphäre unterstützten, sondern einfach da waren. Und doch fand ich  dann irgendwann meinen persönlichen Zugang zur Sprache, dachte erst, diese hätte sich entwickelt und verändert über die Seiten, bis ich bemerkt habe, dass ich mich einfach an den etwas  gehoberen, manchmal doch hochgestochenen Schreibstil gewöhnt habe.


Das Buch hatte ein wenig eine komische Stimmung. Die auktoriale Erzählsituation war stark zu spüren, der Erzähler wusste so vieles und informierte dich direkt, verbesserte sich. Für mich definitiv was Neues, die Anwesenheit des Erzählers auf dieser Ebene ständig zu spüren, ich habe ihn differenziert wahrgenommen. Und ich konnte das erste Mal den Erzähler völlig von der Protagonistin trennen und sie unterscheiden, etwas, mit dem ich manchmal ein wenig Mühe habe. Doch Valerie lernte ich schnell kennen  und doch nie so richtig.

Valerie schreitet zu Anfang in die verstaubte und doch mit sehr viel Liebe von ihrer verschwunden Tante geführten Buchhandlung. Sie sieht ihre Aufgabe darin, den Laden aufzugeben, doch das ihr nicht gewöhnte, altmodische System mit der Abwesenheit einer digitalen Aufzeichnung und überhaupt einem Computer, war ihr so fremd, dass sie daran schnell scheiterte und dann begann, einfach Tage in der Buchhandlung zu verbringen, Freundschaften zu schliessen und ihre Liebe zu Büchern wieder- und vor allem neu zu entdecken.


Und genau diese Liebe wird geschildert, und Valerie verhält sich anders mit den Büchern. Sie liest nicht immer, ständig, sondern sie setzt sich an die Sonne und verliert sich in einem Buch. Es ist dieses am Stück lesen, welches mich so fasziniert hatte, das Lesen an sich selbst. Diese sinnlichen Momente werden in einer völlig neuen, ansteckenden Ausführlichkeit geschildert. 

Und während dem ganzen Buch verstärkert sich die Sehnsucht nach einem solchen Erleben von Büchern in fremden, fernen Fantasiewelten. Bis man merkt, dass man sich selbst gerade in einem Buch verloren hat, daraus auftaucht mit einem Glücksgefühl und einer noch stärker entfachten Liebe zum geschrieben Wort. So ging es mir mit dem Buch, und ich glaube, wenn ein Buch die Liebe zu Büchern, zu Buchhandlungen allgemein noch verstärkt, dann muss es ein ganz besonderes Buch sein.


Und ganz besonders, ja, das ist dieses ganz besondere Jahr natürlich, wer hätte es gedacht! Und zwar, indem der Schreibstil völlig unterwartet ist, wie auch so manch anderes, das passiert und geschildert wird. Und doch ist es teilweise ein bisschen voraussehbar, aber mit einem grossen positiven Aspekt, denn es ist so gewollt vom Autor, ohne dass man diesen Willen stark spürt; er wird einem nur danach klar. 

Die Fremdcharakterisierung von Valerie bleibt ein bisschen skizziert, geht nicht zu sehr ins Detail und  verrät keine seltenen Geheimnisse oder Angewohnheiten von Valerie, sondern erfasst sie als Person eigentlich nur, wenn sie sich im Buchladen aufhält. Aber das zeigt eine gewisse Seite von ihr, und vielleicht wird auch nicht mehr gebraucht, vielleicht muss sie nicht vollständig erfasst werden, denn wie kann man eine Person schon in einem Buch erfassen? Das Buch erzählt ausschweifend vom Buchladen, Räumlichkeiten, die sich schemenhaft vor meinen inneren Augen bilden, von eigenwilligen Nebencharakteren, die man auf Anhieb ins Herz schliesst und von Tierchen, einer Teemaschine und so ziemlich viel weiterem, die man mit dem Buch verbindet. Es ist ein Buch, das von kleinen Dingen lebt, eben erwähnten, und von Erwähnungen von tausenden anderen Bücher, die einem in einer ganz besonderen Empfehlung ans Herz gelegt wurden. Es lebt von Briefen von Menschen, die in einem Buch in einer Buchhandlung Glück auf eine andere Weise fanden und von der Mitteilung, dass wir Buchhandlungen unterstützen müssen, indem wir sie in vollen Zügen geniessen, wie auch im Buch.

"Und so entwickelte die Buchhandlung - wie ein Kind, das gross wird und sich von den Eltern abnabelt und einen eigenen Charakter ausprägt - ihre originäre Persönlichkeit: unvorhersehbar, eigenwillig und voller Überraschungen." 

Thomas Montasser arbeitete als Journalist und Universitäts-Dozent und war Leiter einer kleinen Theatertruppe. Er schrieb grosse Epochenromane (Die verbotenen Gärten), unter dem Pseudonym Fortunato auch Kinderbücher (Zauber der Wünsche). Als Vater von drei Kindern lebt er mit seiner Familie in München. Er ist Literaturagent und kennt nichts Schöneres, als in kleinen Buchhandlungen zu stöbern. Mit Ein ganze besonderes Jahr hat er sich seinen Traum erfüllt, endlich ein Buch über die Macht der Geschichten und über ihren Zauber zu schreiben.

leselaunen 1

19 November 2015

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Bonjour! Ich habe  mir vorgenommen, endlich mal bei einer der x Aktionen mitzumachen, die  es immer wöchentlich gibt. Ich werde euch, wenn es gut läuft, etwa einmal in der Woche von meinen Leselaunen erzählen. Die Idee und Aktion stammt von N o v e m b e r t o c h t e r. Schenkt diesem wunderschönen Blog und der kreativen Autorin gerne einen langen Besuch!
A K T U E L L E S   B U C H


Wie ich euch genauer bei Lesestimmung schildere, verspüre ich momentan mehr Lust auf etwas kürzere Geschichten, die mich packen können und an denen ich nicht allzu lange lese. Da ich genau von solchen Bücher noch einen kleinen Vorrat, hauptsächlich auf englisch habe, 'arbeite' ich diese ab und dies ist mein viertes englisches Buch diesen Monat. Ich habe es schon mal begonnen, aber da war ich noch nicht so mit Connor Franta vertraut. Dann habe ich  gestern dieses Buch hervorgekramt und es zum zweiten Mal begonnen. Mir gefällt es, jedenfalls gibt es immer wieder Stellen, die ich liebend gerne gelesen habe. Daneben merkt man aber, dass Connor Franta nicht wirklich ein Autor ist und ich muss ehrlich sagen, sein Leben ist auch nicht das Spannendste bis jetzt, und diese geheime Fähigkeit, die man vielleicht besitzen muss, um ein solches Buch erfolgreich zu machen, ausser ein berühmter YouTuber zu sein, ist, diese gewissen, kleinen Geschichten herauspicken oder erfinden, die alle in der einen oder anderen Fassung selbst erlebt haben und somit schöne Erinnerungen hervorrufen, diese Geschichte, die man nicht mehr vergisst und erwähnt, wenn man auf ein ähnliches Thema zu sprechen kommt mit einer Freundin, als wäre man mit der Autorin abends zuvor essen gegangen und habe sich über die unterschiedliche Vergangenheit unterhalten. Die doch auch mit ähnlichen Geschehnissen gespickt ist, und wenn nicht, dann wurde halt das Beste und Unterhaltsamste herausgepickt.

M O M E N T A N E   L E S E S T I M M U N G

Meine momentane Lesestimmung ist gerade ein bisschen schwer zu beschreiben. Ich liebe es zu lesen, möchte alle Geschichten meiner ungelesenen Bücher am besten auf einmal aufsaugen, merke aber, dass das nicht wirklich geht und bin deshalb gerade aktuell, wie so oft, eine Liebhaberin von kurzen, knackigen Büchern. Von solchen habe ich letzte Woche zwei englische gelesen. Und jetzt bin ich an dem oben vorgestellten, guten Stück dran.

Z I T A T   D E R    W O C H E

I would like to ask that we begin to dream about and plan for a different world.
A fairer woorld. A worlf of happier men and happier women who are truer to themselves.
And this is how to start: we must raise our daughters differently.
We must also raise our sons differently...

- Chimamanda Ngozi Adichie, 'We should all be feminists'

U N D   S O N S T   S O

Im Alltag besetzt die Schule die meiste Zeit. Auch wenn ich gerade eher mit Prüfungen verschont bleibe, scheint kaum Freizeit zu bleiben und ich bin oft auch damit beschäftigt, für den Blog zu 'arbeiten'. Oder zu lesen. Daneben geniesse ich aber oft die erstaunlich warmen Tage voller unerwarteter Sonnenstrahlen. Etwas, dass uns alle wohl momentan besetzt und somit auch die meisten Gesprächs- und sonstigen Themen, sind natürlich die Geschehnisse in der Welt, denen wir zuzuschauen gezwungen werden, und doch nicht so richtig etwas unternehmen können. Raubt mir immer wieder den Atem und Schlaf, was die Menschheit anstellt und was sich wohl zum gleichen Zeitpunkt an einem entfernten Ort abspielt. Wie geht es euch damit?  

drei bücher vorgestellt

17 November 2015

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Eine Kategorie, die es unglaublich selten sind, für die Buchblogs aber eigentlich geschaffen  sind, ist das einfache Vorstellen von Büchern. Heute zeige ich euch deswegen sdrei Bücher, die es in der letzten Zeit zu mir geschafft haben und als Stapel neben meinem Bett liegen, ich bin bereits jetzt in alle verliebt, sie hören sich unheimlich gut an und ich kann es kaum erwarten, jedes einzelne davon gründlichst zu lesen. Ich bin gespannt, ob ihr sie schon kennt und ich würde mich freuen, wenn ihr das in diesem Fall unten in die Kommentare schreiben würdet, genauso freuen würde ich mich aber auch, wenn ihr ein neues Buch entdeckt, welches ihr nun unbedingt in eurer Büchersammlung braucht. Ich bin mir auf jeden Fall sicher, dass alle Bücher es wert sind, gelesen und geschätzt zu werden. Genauere Rückmeldung natürlich, sobald ich die Bücher gelesen habe. Und alles kleines Topping, Pünktchen auf dem i oder Kirsche auf der Sahne, challenge ich mich selber, diese drei Bücher noch zu meinem 'Gelesenen in 2015' zählen zu können!


Der Dieb in der Nacht von Katharina Hartwell

An einem flirrend heissen Nachmittag verschwindet der 19-jährige Felix spurlos. Wurde er entführt? Oder hat er seiner Familie den Rücken gekehrt? Zurück bleiben seine Mutter, seine Schwester und sein bester Freund Paul. Jeder der drei hat eine eigene Version von diesem Tag, nach dem nichts mehr so ist wie zuvor... Zehn Jahre später taucht Felix plötzlich wieder auf. Aber ist der Mann, der durch einen Unfall keine Erinnerung an seine ersten 20 Lebensjahre besitzt und sich heute Ira Blixen nennt, wirklich  der vermisste?

Wann und wo ist mir das Buch aufgefallen? Nach der vielversprechenden Rezension von Miss Bookiverse.
Wie hat es dann den Weg zu mir gefunden? Meine liebe Mutter zeigte sich grosszügig in einem schönen Buchladen.
Warum musste ich es überhaupt so unbedingt haben? Wegen obengenannter Rezension. Da wird der Schreibstil tatsächlich mit dem von Antonia Michaelis verglichen - ob der einen würdigen Kandidat zum Vergleichen abgibt, weiss ich nicht, bin aber gespannt, das herauszufinden.


Wie sollten wir sein? von Sheila Heti

Ein Buch über junge Frauen und Freundschaft zwischen jungen Frauen,
Und über Liebe, Sexualität und Kunst.

Wann und wo ist mir das Buch aufgefallen? Einfach so. Na ja, da war vor 'nem guten Jahr eine Rezension zum englischen Original des Buches auf This is Jane Wayne. Oh, und tatsächlich war beschlossen, dass ich es haben musste, nachdem Miranda July, ja die, die oben erwähnt wurde, hinten auf dem Buch zitiert ist: 'Ein Buch, das alles riskiert - alle Regeln verletzt, denen wir Frauen folgen, um ernst genommen zu werden - und deshalb bahnbrechend ist: sexuell, in Bezug auf das menschliche Miteinander und als bedeutsames literarisches Werk. Genau so sollten wir sein.'
Wie hat es dann den Weg zu mir gefunden? Im allerschönsten Buchladen Zürichs, angeschlossen an ein Café mit dem leckersten Schokoladenkuchen. Ich hatte zehn Bücher auf dem Arm, aber habe mich schnell entschieden.
Warum musste ich es überhaupt so unbedingt haben? Weil dieses Buch alle Themen behandelt, die ich mir in letzter Zeit in einem Buch wünsche, die Themen, mit denen ich mich verstärkt auseinander setzen möchte. Genau deswegen.


Winternähe von Mirna Funk

Mein Name ist Lola. Ich bin Deutsche. Ich bin Jüdin.
Und der Einzige, der mir ein Hitlerbärtchen ins Gesicht malen darf, bin ich selbst. Ich habe genug davon, dass andere darüber bestimmen wollen, wer ich bin und wer nicht. ich entscheide, wovon ich mich verletzt fühle und wovon nicht. 
Lolas Grosseltern haben den Holocaust überlebt, sie selber soll cool bleiben bei antisemitistischen Sprüchen. Dagegen wehrt sie sich. Sie lebt in Berlin, sie reist nach Tel Aviv, wo im Sommer 2014 Krieg herrscht. Mit wütendem Humor und ungestüm Enthusiasmus sucht Lola ihr eigenes Leben.

Wann und wo ist mir das Buch aufgefallen? Dieses Mal nach einem Interview mit der Autorin auf This is Jane Wayne. Ach, und auch das Zitat der Autorin selbst auf dem Buch hinten, hat mich ziemlich überzeugt. Natürlich nicht über das Buch (Eigenlob stinkt! Aber Mirna Funk würde ich's wohl komplett abnehmen. Nur so eine Vermutung.), sondern aus dem Buch. 'Leben bedeutet, sich Fragen zu stellen und diese notwendigerweise auch zu beantworten. Es bedeutet offen zu sein für Ungewohntes, Ungewolltes und Unberechenbares.'
Wie hat es dann den Weg zu mir gefunden? Mein Vater hat sich gleichzeitig mit meiner Mutter grosszügig gezeigt in einem schönen Buchladen.
Warum musste ich es überhaupt so unbedingt haben? Weil ich es einfach grossartig finde, dass das erste, was ich von dem Buch zu lesen bekomme, eine Definition des Lebens ist, noch dazu eine, die an unserer Spontanität appelliert.


one | rezension

13 November 2015

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Grace und Tippi sind Zwillinge. Siamesische Zwillinge.
Und ihr Leben wird sich verändern.
Da sie nicht länger zu Hause unterrichtet werden können, müssen sie sich in eine Welt voller Starren, Hohn und Grausamkeit wagen. Werden sie mehr als das finden in der Schule? Können sie echte Freunde finden. Und vielleicht sogar... Liebe?
Jedoch können weder Grace noch Tippi die herzzerereissende Entscheidung voraussehen, die vor ihnen liegt. Eine Entscheidung, die sie auseinanderreissen könnte. Eine, die ihre Leben mehr verändern wird, als sie sich vorstellen können.


One von Sarah Crossan


Verlag: Bloomsbury • Seiten: 430 Seiten • Fassung: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag

"Here we are."

An diesem Buch ist ganz viel Besonderes dran, schon nur, dass es um siamesische Zwillinge geht, hat mich wahnsinnig fasziniert. Es ist ein Thema, das ich noch nie in Jugendliteratur verarbeitet gesehen habe, und ich war nicht nur deswegen unheimlich gespannt, wie Sarah Crossan dieses Thema umgesetzt hat. Noch dazu sind die 400 Seiten allesamt in Gedichten geschrieben, die sich nicht reimen, Free Verse. Ich wusste nicht genau, auf was ich mich einlasse. Und trotzdem begann ich ziemlich schnell mit dem Buch. Nur wünschte ich, hätte ich es mir für ein bisschen später aufbewahrt und alles in einem Rutsch  gelesen.

Die Sprache ist einfach gehalten, das Englisch verstand ich ohne Probleme, und doch lag darin auch der Grund, weshalb ich nicht ganz zufrieden war, wie ich das Buch gelesen habe. Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass im Buch viel zwischen den Zeilen gesteckt hat, kleine Zeichnungen und poetische Höhepunkte, durch die feinen und sensiblen  Worte der Verse vorskizziert und dann in der eigenen Auffassung der Sprache eines Muttersprachlers aufgeblüht. Ich denke, je besser man die Sprache beherrscht, umso mehr konnte man von Crossans Schreibstil auffangen und auch wieder freier interpretieren. Die Autorin lässt sich Zeit, die Geschichte zu erzählen. Und doch ist ihre besondere Stimme immer da und erzählt mit unablässiger Intensität von Geschehnissen, die erzählt von allen anderen banal erscheinen. Ihre eigene Stimme ist es jedoch, die sich einbrennt in die Köpfen und in die Haut ihrer Leserinnen, mit der Handlung. Es ist fast schon ein Wettstreit zwischen diesen zwei unheimlich positiven Eigenschaften dieses Buches, und doch harmonieren beide Aspekte wunderbar miteinander, und nur zusammen machen sie dieses Buch vollständig und so besonders.


Wie erwähnt, hatte ich nicht wirklich eine Freiheit, ich wurde an ihre Worte gebunden, da ich nicht zwischen den Zeilen lesen konnte. Ich  weiss aber gar nicht, ob das so schlecht ist, denn ihre Worte sind, wie ihr bestimmt schon meinen Worten dieser Lobeshymne entnehmen konntet, einzigartig und offenbaren ganz etwas Neues. Die Geschichte von Grace und Tippi ist ebenfalls neu, ich wusste nicht, auf was  ich mich einliess und wie meine Gedanken sich  verselbstständigen könnten, wenn ich doch noch so unerfahren auf diesem Gebiet war. Ihre Worte umhüllten mich und wiegten mich sanft in die Erzählung, und doch schonten sie mich nicht, keinesfalls. Sie rührten mich zu Tränen und berührten mich da, wo es nur wenige Bücher und Worte zuvor taten.

Was ich ebenfalls sehr speziell fand, war meine automatische Annahme, nun in ein multperspektivisch erzähltes Buch zu starten. Dabei hat nur Grace erzählt. Ich glaube, die Autorin hat sich ziemlich was gewagt und sich als mutig erwiesen, nur eine der beiden erzählen zu lassen. Grace und Tippi sind ein eingeschworenes Team und haben doch so unterschiedliche Charaktere und Leidenschaften.

Und davon erzählt Sarah Crossan, oder Grace. Von ihnen als eingeschworenes Team, dass sie sich lieben, und nicht mehr ohne einander leben können. Dass sie zusammen vollständig sind, zueinander gehören. Ich nahm es ihr ab, sie brachte mich auf andere Gedanken. Ich dachte, als siamesischer Zwilling ist man unglücklich, weil man nicht mehr ganz selbst ein Individuum ist. Und doch ist man das, das beweist Grace. Und dass es weitaus schlimmeres gibt, als für immer an eine Schwester gebunden zu sein. Unter anderem, wenn hinter dieses für immer ein Fragezeichen gestellt wird, wenn sie plötzlich getrennt werden würden. Das wäre unendlich schlimm für beide.


Und doch würde Grace gerne etwas anderes machen. Sie kann keinen Film alleine schauen, keine Musik hören, ohne dass Tippi nicht mindestens die lautesten Töne mitbekommt. Und dann gibt es da diesen einen Jungen - Jon - der ihr etwas schenkt, ihr alleine. Bücher, die sie lesen kann, alleine, ihre Gedanken ganz tief spürt. Und Jon würde sie auch gerne spüren, doch das ist zur Zeit schwierig.

Dieses Buch hat mich umgehauen, mich tief berührt, weil es voller wahren, berührenden Wörter steckt, es hat meine Liebe zu Büchern, die in Free Verse geschrieben sind, entflammt, mir viel über das Leben von siamesischen Zwillingen erzählt und mich auf andere, neue Gedanken gebracht. Was kann man sich mehr von einem Buch wünschen, als besondere Denkanstösse, die Offenbarung eines neuen Themengebiets und ein Schreibstil, der sich einprägt? 

Sarah Crossan lebte in Dublin, London und New York und lebt nun in Hertfordshire. Sie absolvierte die Uni mit einem akademischen Ausmass in Philosophie und Literatur, bevor sie als Englisch- und Theaterlehrerin an der Cambridge Universität arbeitete. Seit sie ihren Master in kreativem Schreiben abgeschlossen hat, arbeitet sie an verschiedenen Schulen und leitet Kurse für Kinder in kreativem Schreiben.

was uns bleibt ist jetzt | rezension

11 November 2015

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Jam durchlebt die erste grosse Liebe zu Reeve so intensiv wie nichts zuvor. Dann stirbt Reeve und für Jam macht das Leben keinen Sinn mehr. Ein Internat für traumatisierte Teenager soll helfen, und speziell eine exklusive Literaturklasse, der Jam zusammen mit nur vier anderen Schülern zugeteilt wird. Ihre Lehrerin, Mrs Q, gibt ihnen Tagebücher mit. Nichts Neues, denkt Jam, aber als die Jugendlichen darin schreiben, geschieht etwas Unvorstellbares: Sie gelangen nach Belzhar, in die Welt ihrer eigenen Vergangenheit vor den schrecklichen, alles verändernden Ereignissen. Gierig saugt Jam die Zeit mit Reeve in sich auf. Doch mit jede Seite nähert sich der Tag, an dem sie sich der Wahrheit stellen muss. Ist sie bereit, ihre Zukunft zu opfern, um in der Vergangenheit glücklich zu sein, oder gibt sie der Zukunft eine Chance, sie noch glücklicher zu machen?

Was uns bleibt ist jetzt von Meg Wolitzer

Verlag: cbt • Seiten: 380 Seiten • Fassung: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag • Original: Belzhar, Englisch • Übersetzerin: Petra Koob-Pawis Preis: ca. 16 Euro [D]

"Man hat mich wegen eines Jungen hierher geschickt."

Was uns bleibt ist Jetzt ist ein Buch, welches mich von der Idee her begeistert hat. Ich persönlich mag keine Fantasy-Bücher, stolperte ich in den letzten Jahren aber doch immer wieder über nicht ganz realistische Elemente in Büchern, welche ich ganz okay fand. So auch bei Belzhar. Tagebücher, die dich zurückversetzen in die Zeit, in der alles okay war, wenn auch nur begrenzt und nicht für immer, scheint mir sehr psychisch und logisch erklärbar zu sein - etwas, das im Kopf passiert, wenn man Schweres hinter sich hat. Ich liess diesen Faktor also nicht entscheiden, ob ich das Buch lesen soll oder nicht, sondern schnappte es mir trotzdem und bald darauf war ich mitten in der Lektüre.


Und zwar hielt dieses Lesefieber etwa hundert Seiten an, danach musste ich das Buch weglegen. Nicht, weil es mich emotional so beschäftigt und tief getroffen hätte, nein, es langweilte mich. Ich musste etwas anderes zwischendurch lesen, eine Ablenkung, bevor ich wieder zu diesem Buch griff und mich einst wieder in der Welt von Jam befand. Sie lebt neuerdings in Wooden Barn, zusammen mit einem ganzen Haufen psychisch fragiler Jugendlicher, die hier, in diesem speziellen Internat, wieder zu sich, ihrem Leben und ihrer Wahrheit finden sollten. Das spezielle ist aber der Kurz Ausgewählte Themen der Literaturgeschichte, welchen nur wenige Schülerinnen und Schüler besuchen dürfen, unter anderem Jam, wer hätte es gedacht. Da sie neu ist, weiss sie noch nicht, was es mit dem Kurs auf sich hat, doch die anderen wissen das auch nicht - aber sie vermuten, dass etwas Geheimnisvolles hinter Mrs Quenell und ihrem Unterricht stecken muss. Widerwillig und ein bisschen verstört treffen also fünf Charaktere aufeinander, alle mit stark gezeichneten Eigenschaften, die sie für mich aber blass erschienen liessen. Auf mich wirkten sie nämlich alle wie aus einer schlechten TV-Show, und ich fühle mich nicht wohl dabei, das auszusprechen, da jeder einzelne von ihnen gerade daran ist, das Schlimmste, was ihnen bisher passiert ist, durchzustehen. Doch mich langweilten die Schwarz-Weiss-gezeichneten Charaktere, die alle unterschiedlich sein sollten. Meg Wolitzer schien spannende Differenz in die Figuren bringen zu wollen, was meiner Meinung nach aber gründlich schief lief, denn sie wirkten alle überzeichnet mit gewöhnlichen Eigenschaften und verlierten viel von ihrer Authenzität. Sehr schade, da mir auch von der Persönlichkeit keine wirklich zusagten, auch mit der Protagonistin Jam baute ich nicht wirkliche eine vertrauliche Beziehung auf, ich wurde einfach nicht warm mit ihr.

Auch wenn ich das Buch vielleicht schnell beendet habe, gab es auch nach den ersten hundert Seiten einige Passagen, die wirklich langwierig und zäh aufgebaut waren und mich nicht wirklich zu einem Fan des Buches machten, im Gegenteil, ich kann nun klar sagen, dass ich das Buch nicht mochte.

Was da bestimmt auch beigetragen hat, ist der Schreibstil. Dieser war gewöhnlich und hat mich nie gepackt oder an die Seiten gefesselt, ich war meistens eher überrascht, wie flach und eindimensional dieser war. Ausserdem bestand er aus vielen Wortwiederholungen, was mir mehrmals auffiel und mich generell meistens ziemlich schnell abschreckt. Dazu kamen immer wieder Ausdrücke wie 'WTF?' ins Spiel, bei denen ich stocken und lachen musste. Jam hat sich, nebenbei bemerkt, auch immer wieder selbst über ihre Sprache aufgeregt, was mich stocken liessen und ich fragte mich, wie viel die Autorin da bewusst so kritisiert hat. Zum Beispiel gab es da diese eine Erwähnung - "die Körper der zwei Liebenden schmiegten sich aneinander wie zum Gebet gefaltete Hände. Zwei zum Gebet gefaltete Hände? Das hört sich bestenfalls nach dem schlechtesten Gedicht Sylvia Plaths an, welches sie mit zwölf zu Papier gebracht hat und danach verärgert entsorgt hat." Ich wusste wirklich nicht, was sagen. 


Was ich an dem Buch aber am meisten zu kritisieren habe, hat mit allem zu tun, dem Inhalt sowie dem Schreibstil und den Charakteren. Die Autorin brachte immer wieder zum Ausdruck wie voller Tiefgründigkeit diese und jene Beziehung, Begegnung oder Figur lebt. Angesprochen war das alles, jedoch nicht ausgeschrieben. Wenn man dann mehr über die eigentliche Beziehung liest, diese liest, dann kommt einem diese ganz oberflächlich vor. Und so verhielt sich das meistens im Buch - zuvor alles schön und gross geredet, danach war die Wirklichkeit aber enttäuschend klein und unbedeutend. 

Zum Schluss noch zwei positive Dinge, wobei ich die erste Sache gar nicht so richtig deuten kann. Die Wendung, welche sich im allerletzten Teil einschlich, hat mich überrascht, ich sah sie gar nicht kommen. Aber ich war enttäuscht von ihr, sie wirkte mir ein bisschen lieblos herausgesucht und hingeworfen, auf die letzten Seiten. Und so verlief es auch mit dem Ende, welches mir gar nicht lebendig oder richtig für den Roman vorkam. Ich bin stark der Vermutung, dass da gepfuscht wurde und muss sagen, dass ich gar nicht zufrieden war, welchen Lauf das Buch nahm. 

Um noch anzusprechen, was ich wirklich, wirklich an dem Buch loben kann, möchte ich auf ein anderes Werk zu sprechen kommen, und zwar das von der stark in diesen Roman einbezogenen Autorin Sylvia Plath. Natürlich spielte sie für den mysteriösen Kurs Ausgewählte Themen der Literaturgeschichte eine grosse Rolle. Aber auch davon abgesehen waren die Stellen, in denen sie oder ihre Zeilen erwähnt und besprochen wurden, mit die lebendigsten und diese, die ich am liebsten las. Das Buch hat also definitiv von The Bell Jar profitiert, aber es ist auch schön, dass die Autorin so geehrt wurde, nur sollte mich das Buch dann auch bewegen. Ich denke aber, dass es für jede Leserin von Was bleibt uns jetzt danach unmöglich ist, Sylvia Plaths Bücher und Lyrik zu umgehen.

Ein Sprichwort, dass auf das Buch passt, ist definitiv 'grosse Klappe und nichts dahinter'. Die eigentlichen Szenen wirkten mir alle ein bisschen leer, davor wurden diese aber angepriesen und in den höchsten Tönen gelobt. Leider blieb der Roman für mich aber ständig auf einer banalen Ebene der Oberflächlichkeit liegen und konnte mich nicht berühren, ich wurde auch mit den Charakteren nicht warm. Wenn Sylvia Plath erwähnt wurde, strahlten die Buchstaben zum einzigen Mal so wirklich und sprachen mich an, das waren die einzigen Stellen, die ich genoss und die das Buch für mich lesenswert machten.

Meg Wolitzer veröffentlichte zahlreiche preisgekrönte und erfolgreiche Romane, zuletzt den von Publikum und Presse gefeierten Roman "Die Interessanten". Ihre Kurzgeschichten erschienen in der Sammlung The Best American Short Stories und zwei ihrer Bücher wurden verfilmt. Die Interessanten wurde zum besten Buch des Jahres gewählt von der Entainment Weekly, dem Time Magazine und der Chicago Tribune. Was uns bleibt ist jetzt ist ihr erster Roman für jugendliche Leser. Meg Wolitzer lebt mit ihrer Familie in New York City. 

Danke an den cbt Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionexemplar.

ein ganz kleines glück | rezension

07 November 2015

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Fröhlich und ein wenig chaotisch lebt die junge Camille als freie Journalistin in Paris, verbringt Stunden mit ihren Freundinnen in den Cafés der Grossstadt, und nichts zählt mehr als der Augenblick. Bis sie eines Tages feststellen muss, dass sie schwanger ist - von einem Mann, der sofort aus ihrem Leben verschwindet, als er von der Neuigkeit erfährt.  Für Camille beginnen Wochen voller Zweifel: Ist sie der Verantwortung gewachsen, allein ein Kind grosszuziehen? Welche Richtung will sie ihrem Leben geben, das doch gerade erst so richtig angefangen hat? Natürlich mischen sich Eltern, Freunde, Kollegen mit guten oder weniger guten Ratschlägen ein, allein Camilles Grossmutter sieht in der ungewollten Schwangerschaft vor allem ein unverhofftes Glück. Ein kluger und erfrischender Roman über die schwankenden Gefühle und Launen, die Ängste und Hoffnungen einer jungen Frau, die gewissermassen vor unseren Augen Mutter wird.

Ein ganz kleines Glück von Camille Anseaume

Verlag: List • Seiten: 220 Seiten • Fassung: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag • Original: Un tout petit rien, Französisch • Übersetzerin: Maja Ueberle-Pfaff • Preis: 16 Euro [D]

"Jede Frau schildert gern in aller Ausführlichkeit den Moment, in dem sie erfahren hat, dass sie Mutter wird."

Camille Aneseaumes kleines, schön gestaltetes Büchlein lächelte mich im Buchladen an. Ich las den Hintergrund und verliebte mich in die Idee, einer jungen, freien Journalistin in der aufregenden Grossstadt Paris durchs Leben zu folgen, stundenlang Cafés abzuklappern und Inspiration suchen, ihr Leben mitzubekommen.  Allerdings ist das anders, ziemlich anders, und das wird ab dem ersten Satz klar. Von diesem Leben ist nämlich nur noch ein Hauch anwesend, ein kleines bisschen, eine Sehnsucht. Denn plötzlich ändert sich alles, denn Camille erwartet ein Kind. Ein Baby. Aber vielleicht will sie es auch gar nicht, vielleicht doch, so oder so wird danach nichts mehr sein, wie es ist, und diese Entscheidung ist bei Weitem die Schwerste, die ihr wohl je gestellt wird. Sie erlebt drei Monate voller Zögern, voller Angst vor der falschen Wahl und lernt sich dabei besser kennen, den Mann, den sie nicht mal geliebt hat und der nicht mehr da ist, dessen Charakter lernt sie ebenfalls besser kennen. Nur von ihrer Zukunft hat sie noch keine Ahnung. Aber sie darf sie selbst aussuchen, darf eine Wahl treffen und ihr Leben so leben, wie sie es möchte.

Aber nicht nur in dem Sinn habe ich mir in dem Buch etwas anderes vorgestellt.  Denn anstatt Situationen beschreiben, ist es eine Dokumentation der schönsten Gedanken von Camille in dieser Zeit, Momentaufnahmen an feste Gefühle gebunden, die mich jedes einzelne Mal mehr und mehr in ihren Bann zogen. Klar, manchmal waren ihre Gedanken roh und unausgereift, manchmal jedoch schreib die Autorin die klarsten und wunderbarsten Zeilen nieder. Das Buch spielt im Kopf von Camille, der Protagonistin, die gleich wie die Autorin heisst. Nicht nur das ist ein Indiz dafür, dass die Geschichte echt sein könnte, noch dazu ist es so realistisch und authentisch geschrieben, dass man sich gleich bestätigt fühlt. 

Ich habe Bücher über Teenieschwangerschaften gelesen, und keines davon konnte eine solch wichtige Zeit im Leben so schön und wichtig erzählen wir Camille Aneseaume. Ich glaube, ich würde  ihr alles abnehmen. Manchmal geht es darum, wie grausam die Situation eigentlich ist, wenn man nicht weiss, ob man das Kind behalten möchte, oder es... 'verwerfen' möchte, die Schwangerschaft abbrechen und die ganzen Gedanken und Gefühle, ein ganzes, kleines Leben, das noch gar nicht begonnen hat, tief in  sich vergraben möchte. Ich bin definitiv dafür, dass Frauen abtreiben dürfen. Aber dennoch bin ich mir sicher, dass es das Schrecklichste sein muss, vor einer solchen Entscheidung zu stehen. Und auch Camille findet es ganz schrecklich, manchmal schwankt sie für Tage nur durch ihr Leben, ohne etwas wahrzunehmen. Und dann gibt es da diese Glücksmomente, und dieser extreme Wechsel nimmt man ihr ohne Weiteres ab. Denn auch  die Glücksmomente stecken die Leserin bestimmt in Nullkommanix an. 


Der Schreibstil hat mir den Rest gegeben. Camille erzählt so fantasievoll und doch  auch so bedrückt, und manchmal so schweigend. Ich glaube, man weiss erst, was ich meine, wenn man eigens Zeuge ihrer Worte wird, ihrer treffenden Vergleiche und ihrer Seiten, die man alle gleichermassen anstreichen und nicht mehr vergessen möchte. Nach dem Lesen hatte ich das Gefühl, dass ich gerne gleich wieder von vorne beginnen möchte.

Camille sieht Schwierigkeiten auf sie zukommen. Und sie denkt nicht ans Glück oder ans Positive, bei ihr ist das Glas immer halb leer. Aber das ist gut so. Anders als bei vielen Charaktereigenschaften befürchte ich nämlich, dass ein zu positiver Mensch schnell unglaublich naiv wirken kann in Büchern. Im echten Leben mag das manchmal ganz aufheiternd sein. Trotzdem ist Camille gewappnet, um in den echten Situationen dann völlig hilflos zu sein. Ich  wurde nicht richtig schlau aus ihr, aber das ist gut so, denn auch wenn sie vielleicht nicht ganz zu greifen war, liebte ich es, von und mit ihr zu lesen  und leben, für ein wenig, zumindest. Denn Camille hat mich inspiriert, und ich  glaube, sie kann auch viele andere Leser überzeugen. Und dabei ist es ziemlich egal, in welcher Lebenslage man gerade steckt, vor welchen Problemen man  steht. Das Buch regt mich an, meine Gedanke auf eine andere Weise zu hinterfragen.  Man taucht mit Camille in ein riesiges Abenteuer, in dem es vielleicht oberflächlich um jemand anderen geht, aber eigentlich lernt sie sich dann erst kennen und weiss, was sie in ihrem Leben möchte. 

Camille Aneseaume ist freie Journalistin und schreibt regelmässig Kolumnen für verschiedene Frauenmagazine, in denen sie humorvoll Beziehungsgeflechte aller Art unter die Lupe nimmt. Ihr Blog Café des Filles wurde zum Lieblingsblog der ELLE-Redaktion gekürt. Ein ganz kleines Glück ist ihr erster Roman.

das unvollendete leben der addison stone | rezension

04 November 2015

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Addison Stone ist eine junge, wunderschöne, wilde Künstlerin, die in New York angesagte Kunstwerke in Szene setzt -  ein gefeiertes, geliebtes Wunderkind und ein beneidetet Star. Doch dann stürzt sie von der Manhattan Bridge in den Tod. Sie ist erst achtzehn Jahre alt. War es ein Unfall? Selbstmord? Oder Mord?

Das unvollendete Leben der Addison Stone von Adele Griffin


Genre: Contemporary • Verlag: cbt Verlag • Seiten: 220 Seiten • Fassung: broschierte Ausgabe • Original: The Unfinished Life of Addison Stone, Englisch • Übersetzerin: Anja Hansen-Schmidt • Preis: ca. 15 Euro [D]

"Ich begegnete Addison Stone nur ein einziges Mal."

Zuallererst möchte ich euch die einzigartige Idee hinter dieser Neuerscheinung vorstellen: Adele Griffin hat für dieses Buch nämlich ein Leben erfunden. Alle Autorinnen und Autoren machen das, natürlich, aber in Das unvollendete Leben der Addison Stone wird die Geschichte einer Künstlerin erzählt, von ihrer Kindheit bis zum rätselhaften Tod, der genauso zu ihrer geheimnisvollen und verzaubernden Erscheinung gepasst hat. Der Spannungsbogen ist in dem Sinn nicht da - es wird nicht darauf abgezielt, einen Höhepunkt zu haben. In diesem Buch bekamen auch deutlich mehr Menschen eine Stimme, als in vielen anderen Multiperspektivisch erzählten Romanen, denn alle Personen, die auch nur für winzige Momente einen Raum, ein Projekt oder ein Lebensabschnitt mit Addison geteilt haben, erzählen ihre Wahrnehmung von der grossen Protagonistin in diesem Roman, die selbst nie wirklich zu Wort kommt. Das Buch ist aufgebaut, als würde es das echte Leben nacherzählen, es gibt zahlreiche Fotos und eine Biografie auf eine andere Weise wurde geschaffen. 

Die Person dafür könnte nicht besser gewählt werden. Addison Stone hat ihr ganzes Leben noch vor sich, tausende Ideen und doch eine gewisse Leere in sich, als sie endlich nach New York kann. Dort angekommen webt sie sich ein Netz aus Menschen, dass sie halten soll, wenn sie fällt. Und sie kippt mehrmals, und man bekommt es mit. Denn die Menschen, die dieses Netz gebildet haben, oder noch immer in stiller Trauer bilden, sind es, die zu Wort kommen. Addison ist eine junge Künstlerin, eine junge Frau mit verrückten Ideen, sie ist so vieles auf einmal und doch auf eine gewisse Weise in sich beschränkt, sie schafft es nicht wirklich, auszubrechen.







Die vielen Fotos, die Aufnahmen, die extra für das Buch gefertigt wurden, sollen ein genaueres Bild von Addison und ihren Freunden, ihrer Familie und auch ihren Feinden machen. Sie wird in dem Buch kritisiert und gelobt, sie wird hochgelebt und sie wird zu Boden getrampelt, weil ihr Leben und ihre Psyche auf und ab ging. Sie ist ein ganz spannender Charakter, beschrieben als glorreicher und glamuröser Kunststar, der genau weiss was er tut, und wenn man sie dann auf die nächste Weise kennenlernt, ihre Zerbrochenheit, ihre Unsicherheit, dann wünscht man sich, alles von ihr geschildert zu bekommen. Ihre Lebensfreude und Neugier auf die Welt ist ansteckend, ihre Tiefpunkt herzzerreissend. Selten wurde ein fiktives Leben aus solch vielen Stimmen so wunderbar und farbig geschildert, und selten hat mich eine junge Frau so gepackt und inspiriert, auch wenn es sie nicht gab. Ich liebte die Kunst, wie sie beschrieben wurde in diesem Buch, wie die vielen Menschen sie differenziert aufnahmen und wiedergaben, etwas anderes sahen und sich doch in einem sicher waren: in Addisons Talent. Auf welches sie sich zu Anfang beruhte. Sie hatte ihre Kunst gemacht, sich in ihren Tempo entwickelt, und plötzlich wurde es ihr dann zu klein und zu eng. Sie wollte in eine Grossstadt, Kunstaktionen, so verboten sie auch waren, durchführen, mitten in der Nacht und am hellichten Tag. Und doch war die Stadt und ihre Tücken zu gross, so dass sie immer wieder stolperte und schlussendlich vielleicht auch fiel. Ich selbst habe sie ganz anders erwartet, bescheidener, stilvoller, aussergewöhnlicher. Aber das Buch hat mir gezeigt, dass es solche Menschen nicht wirklich gibt, denn es steckt so viel Leben und Erfahrung hinter jeder Person, die im Sekundentakt an uns vorbeieilen, so viel, von dem wir nicht wissen. Bei Addison durften wir Zeugen werden. Und doch hat sie niemand gekannt, sie selbst nicht und in gewisser Weise auch die Personen um sie nicht. Sie konnte fies sein, sie hat falsche Dinge getan. Und das zu wissen, ist wahnsinnig erleichternd und bildet auch die wirklich tiefergehende Menschlichkeit in der Persönlichkeit von Addison Stone. So schaffte die Autorin es, Addisons Verlangen, ihre Phasen und ihr Leiden sehr authenthisch zu gestalten.

Und sie weckte das starke Bedürfnis in mir, Orginialzeilen von Addison lesen zu dürfen. Das Buch ist auf fiktiven Interview aufgebaut, und man merkt schnell, dass die nicht von den unterschiedlichsten Personen stammen, sondern von einer Autorin. Der Erzählstil ähnelt sich und die eigenen Erzählungen gehen zu sehr ins Detail und verraten zu viel. Trotzdem gibt das Buch alles in allem ein schönes Bild ab und zeichnet Addison sehr genau. Leider empfand ich den Schreibstil aber nie als aussergewöhnlich und konnte auch nirgends wirklich ein Zitat finden, welches ich erwähnen möchte. 

Die Aufmachung des Buches verdient sich regelrecht einen eigenen, intensiv besprochenen Part in meiner Rezension. Für die Rolle der Addison wurde ein Model ausgesucht, welches sie und gewisse Szenen in ihrem Leben darstellen durfte. Sehr passend gewählt! Ich mochte die unterschiedlichen Illustrationen und Fotografien, auch wenn man sehr verschiedene Stile in den Skizzen und Malereien der jungen Künstlerin erkennen konnte. Auch New York wird lebhaft bebildert, die Orte und besondere Momente mit den verschiedensten Menschen. Diese Fotos geben dem Buch nochmals mehr Charakter, klar, rauben vielleicht die Fantasie, da mir Addisons Werke nicht so gefielen, ihre Denkweise und wie sie über Kunst redete jedoch schon, aber sie machen auch nochmals klar deutlich, wie sehr sich alle für dieses Buch ins Zeug gelegt haben und was für eine schönes, grosses Buch das geworden ist. Dazu möchte ich auch noch den Trailer erwähnen, den ich euch hier einblende - schaut ihn euch sehr gerne an, ich finde, er repräsentiert das Buch nicht nur gut, sondern ist auch sonst einfach wunderschön anzuschauen!


Die Hochphasen von Addison waren definitiv mein liebster Part - wunderschön zu lesen. Ihre Kunst, ihre Ideen dazu, die Entwicklungsphase und der Applaus oder das Verzehen danach. Wenn sie etwas Verrücktes umsetzt, wenn sie auf sich selbst vertraut und baut und ihr die anderen Meinungen egal sind, wenn sie für sich schaut und glücklich war und alle mit diesem Glück ansteckte. Die anderen Szenen waren manchmal vielleicht zu überzeichnet, mussten ein krasses Gegengewicht abgeben, um diese junge Frau, die viel zu tief geprägt und viel zu erfahren für ihr Alter scheint, realistisch wirken zu lassen. Jedoch empfand ich ihr Leben nie als zu konstruiert, was vielleicht auch daran lag, dass man die vielen verschiedenen Seiten von ihr kennenlernte. Und das machte diesen Charakter auch aus. Sie selber kannte sich wohl nie so gut, aber alle Figuren um sie herum kannten mehrere ihrer Charakterzüge so gut, dass Addison durch ihre Erzählungen ein letztes Mal zum Leben erwacht ist.

Trotz all den tollen Besonderheiten des Buches, die man während des Lesens gespürt hat und die ich auch unbedingt herausstreichen wollte, habe ich auch einige Kritik anzubringen. Denn so gut das Buch auch ist, war es stellenweise einfach nichs Neues. Die Erzählstimmen haben sich wiederholt oder sich widersprochen, was im Prozess von vielen Interview mit unterschiedlichen Personen über das gleiche Thema wohl ganz natürlich und unvermeidbar ist, aber beim Lesen nahm ich diesen Aspekt manchmal störend dar. Wie ich auch oft gedacht habe, dass das wohl keine echten Interviews sind und wahrscheinlich keiner sich bereiterklärt hätte, so kurz nach dem Tod einer geliebten Person darüber und über alle anderen intimsten Gespräche zu sprechen. Der Klappentext wirkt vielleicht ein bisschen irreführend, denn das Geheimnis des Todes von Addison Stone stand nie als solches im Raum und wurde auch nicht so heftigst hinterfragt. Und noch dazu kommt, dass einige Dinge von manchen Personen schon halbwegs angedeutet wurden, um danach von einer Person erzählt zu werden, was dann deutlich an Effekt verlor. Anscheinend wollte die Autorin damit zeigen, dass die Geschichte gut durchdacht war, hat sich aber selbst ein bisschen ihre Wendungen unattraktiver gemacht. Das Buch hat sich eine schwere Aufgabe gegeben, die Grundidee ist wundervoll und die Geschichte ist schön und sorgfältig ausgearbeitet, jedoch konnte das Buch dieser Aufgabe nicht immer vollständig nachkommen und ich kann nicht nur im Positiven über das Buch sprechen. Falls euch Kunst, deren Szene in New York und das Leben einer jungen, intensiv im Moment lebenden Frau sowie ihre Gedanken interessiert, dann werdet ihr das Buch aber trotzdem geniessen, schon allein der speziellen Aufmachung wegen! 

Adele Griffins von der Presse hochgelobte Kinder- und Jugendromane wurden mehrfach für den National Book Award nominiert und gwannen unter anderem den ALA Best Book for Young Adults Award. Das unvollendete Leben der Addison Stone landete gleich mehrfach auf Bestenlisten, u.a. von Booklist und Romantic Times. Heute lebt und arbeitet Adele Griffin mit ihrem Mann Erich, ihren zwei kleinen Kindern und ihrem Hund Edith in Brooklyn, New York.
 



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